Nord-, Süd-, Ost- oder Westbalkon? So findest Du die richtigen Pflanzen für Deinen Standort
Nicht jeder Balkon ist gleich. Manche baden den ganzen Tag in der Sonne, andere bleiben kühl und schattig. Und genau darin liegt kein Problem – sondern ein Geschenk.
Denn wenn Du verstehst, wie Dein Balkon „tickt“, wird Gärtnern plötzlich leicht. Erfolgreich. Und richtig erfüllend. Viele Enttäuschungen im Balkongarten entstehen nicht, weil jemand keinen grünen Daumen hat – sondern weil Pflanzen und Standort nicht zusammenpassen. Deshalb schauen wir uns heute ganz in Ruhe die vier Himmelsrichtungen an und entdecken, was dort jeweils gut gedeiht.
Zwischen Asphalt und Himmel hat jede Ausrichtung ihren eigenen Zauber.
Die Grundlagen: Licht ist der Schlüssel
Bevor wir konkret werden, ein kurzer Überblick über das Wichtigste.
Wie viel Sonne braucht eine Pflanze?
- Vollsonnig: 6–8 Stunden direkte Sonne täglich
- Halbschatten: 3–5 Stunden direkte Sonne
- Schattig: weniger als 3 Stunden direkte Sonne
Dabei spielt nicht nur die Dauer eine Rolle, sondern auch der Zeitpunkt. Nachmittagssonne ist intensiver als Morgensonne. Und Hauswände speichern zusätzlich Wärme – besonders in der Stadt.
Auch Wind, Hitze und Verdunstung beeinflussen, wie wohl sich Deine Pflanzen fühlen. Ein Südbalkon kann im Hochsommer mediterranes Klima entwickeln, während ein Nordbalkon eher an einen lichten Waldrand erinnert. Und genau das nutzen wir.
Der Südbalkon – Sonne pur & mediterrane Vielfalt
Ein Südbalkon bekommt die meiste Sonne. Im Sommer können hier leicht Temperaturen entstehen, die an Italien erinnern.
Typische Bedingungen
- 6–10 Stunden direkte Sonne
- starke Hitze im Hochsommer
- hohe Verdunstung
- Erde trocknet schnell aus
Hier fühlen sich alle Pflanzen wohl, die Sonne lieben und Wärme brauchen.
Ideal für den Südbalkon
Fruchtgemüse
- Tomaten
- Paprika
- Chili
- Auberginen
Mediterrane Kräuter
- Rosmarin
- Thymian
- Oregano
- Salbei
Blühpflanzen & Begleiter
- Kapuzinerkresse
- Ringelblume
- Lavendel
- Cosmea
Wichtig zu beachten
- Verwende möglichst große Töpfe, sie speichern Wasser besser.
- Mulche die Erde, um Austrocknung zu reduzieren.
- Gieße am besten morgens.
- Dünge regelmäßig – viele sonnenliebende Pflanzen sind Starkzehrer.
Ein Südbalkon ist ein Paradies – wenn Du die Wasserversorgung im Blick behältst.
Der Westbalkon – warme Abendsonne
Der Westbalkon bekommt vor allem am Nachmittag und Abend intensive Sonne. Diese kann im Sommer besonders heiß sein.
Typische Bedingungen
- intensive Nachmittags- und Abendsonne
- hohe Hitzebelastung im Hochsommer
- gute Wärmespeicherung
Ideal für den Westbalkon
- Tomaten
- Buschbohnen
- Mangold
- Basilikum
- Erdbeeren
- Sonnenhut
- Zinnien
Westbalkone eignen sich wunderbar für wärmeliebende Pflanzen – aber Vorsicht bei extremer Hitze. Hier kann es helfen, empfindlichere Pflanzen etwas geschützter zu platzieren oder in Mischkultur zu setzen, sodass sie sich gegenseitig beschatten.
Der Ostbalkon – sanfte Morgensonne
Ostbalkone sind oft unterschätzt. Dabei bieten sie nahezu ideale Bedingungen für viele Gemüse- und Kräuterarten.
Typische Bedingungen
- Morgensonne
- mildes, ausgeglichenes Klima
- weniger Hitzestress
Ideal für den Ostbalkon
Blattgemüse
- Salate
- Spinat
- Rucola
- Radieschen
Kräuter
- Petersilie
- Schnittlauch
- Zitronenmelisse
- Dill
Weitere Favoriten
- Erdbeeren
- Kapuzinerkresse
- essbare Blüten
Hier wachsen Pflanzen oft gleichmäßig und stressfrei. Der Wasserbedarf ist moderat, die Verdunstung geringer als bei Süd- oder Westlage. Wenn Du vielseitig anbauen möchtest, ist der Ostbalkon ein echtes Multitalent.
Der Nordbalkon – Schatten mit Potenzial
Ein Nordbalkon bekommt wenig oder gar keine direkte Sonne. Viele denken sofort: „Hier wächst nichts.“ Doch das stimmt nicht.
Typische Bedingungen
- schattig bis halbschattig
- kühlere Temperaturen
- langsamere Verdunstung
- längere Bodenfeuchte
Was hier nicht gut funktioniert: Tomaten oder mediterrane Kräuter. Was aber hervorragend gedeiht: alles, was Blattmasse bildet.
Ideal für den Nordbalkon
Blattgemüse
- Feldsalat
- Spinat
- Mangold
- Rucola (besonders im Sommer angenehm)
Kräuter
- Minze
- Zitronenmelisse
- Schnittlauch
- Waldmeister
Blühpflanzen
- Fleißiges Lieschen
- Begonien
- Vergissmeinnicht
Hier entsteht eine ruhige, frische, fast waldartige Atmosphäre. Der Ertrag ist vielleicht etwas geringer – dafür bleibt vieles länger zart und aromatisch.
Sonderfall: Mischlagen & Stadtklima
Viele Balkone liegen nicht exakt nach einer Himmelsrichtung. Südwest bedeutet zum Beispiel: viel Hitze. Nordost dagegen: kühl mit Morgensonne.
Hinzu kommt das Stadtklima: Beton speichert Wärme, Innenhöfe sind windgeschützt, höhere Etagen bekommen mehr Wind. Deshalb gilt: Beobachte Deinen Balkon – nicht nur einmal, sondern über ein paar Tage hinweg. Die Natur zeigt Dir, was möglich ist.
Häufige Fehler bei der Balkonbepflanzung
- Zu kleine Töpfe → Pflanzen trocknen schneller aus
- Falsche Standortwahl → z.B. Tomaten im Vollschatten
- Zu viele Pflanzen auf engem Raum
- Wassermanagement unterschätzt
- Keine regelmäßige Nährstoffversorgung
Mit etwas Aufmerksamkeit lassen sich all diese Punkte leicht vermeiden.
Dein Balkon ist kein Kompromiss
Egal ob Nord, Süd, Ost oder West – jede Ausrichtung hat ihren eigenen Charakter. Und genau das macht Urban Gardening so spannend.
Ein schattiger Balkon ist kein Nachteil. Ein heißer Südbalkon kein Problem. Es geht nicht darum, gegen die Bedingungen zu arbeiten – sondern mit ihnen. Wenn Du Deine Pflanzen passend auswählst, entsteht fast von selbst eine kleine Oase.
Eine urbane Wildnis, die zu Deinem Balkon gehört wie der Himmel über Dir.