Bananen
Bananensamen - die wilde Seite der Banane
Die Banane kennen wir vor allem als gelbe, kernlose Frucht aus dem Supermarkt. Doch ihre wilden Verwandten erzählen eine ganz andere Geschichte. Viele ursprüngliche Musa-Arten bilden echte, teils erstaunlich große und harte Samen und zeigen damit, wie vielfältig die Gattung tatsächlich ist. Wer Bananensamen aussät, lernt also eine Seite der Banane kennen, die in unseren Obstregalen fast vollständig verborgen bleibt.
Bananen sind keine Bäume
Auch wenn häufig vom Bananenbaum gesprochen wird, gehören Bananen botanisch zu den größten krautigen Pflanzen der Welt. Ihr scheinbarer Stamm besteht nicht aus Holz, sondern aus dicht übereinanderliegenden Blattscheiden, die einen sogenannten Scheinstamm bilden. Aus einem unterirdischen Rhizom treiben immer wieder neue Sprosse hervor.
Die Gattung Musa umfasst zahlreiche Arten aus tropischen und subtropischen Regionen. Neben bekannten Nutzbananen gibt es Wildbananen, Zierbananen und Arten, die traditionell vor allem wegen ihrer Fasern kultiviert werden. Entsprechend unterschiedlich können Wuchs, Blüten, Früchte und Samen aussehen.
Warum haben Bananen aus dem Supermarkt keine Samen?
Die meisten Bananen, die wir als Obst kaufen, gehören zu Kulturformen, die keine vollständig entwickelten, keimfähigen Samen bilden. Viele bekannte Dessertbananen sind sterile oder weitgehend sterile Hybriden, deren Früchte sich ohne reguläre Samenbildung entwickeln.
Die kleinen dunklen Punkte im Fruchtfleisch sind deshalb keine verwendbaren Bananensamen, sondern lediglich zurückgebildete Samenanlagen. Im kommerziellen Anbau werden solche Bananen überwiegend vegetativ über Seitentriebe des Rhizoms oder über Gewebekultur vermehrt.
Wildbananen tragen echte Samen
Anders sieht es bei zahlreichen Wildarten aus. Ihre Früchte enthalten feste, keimfähige Samen, die je nach Art überraschend groß werden können. Für die Vermehrung aus Saatgut sind deshalb vor allem solche samenbildenden Musa-Arten interessant.
Auch viele unserer heutigen Kulturbananen gehen ursprünglich auf Wildarten zurück. Besonders bedeutend sind Musa acuminata und Musa balbisiana, deren Erbgut in zahlreichen Dessert- und Kochbananen miteinander kombiniert wurde. Die samenbildenden Wildformen bewahren damit einen wichtigen Teil der genetischen Vielfalt der Banane.
Mehr als nur eine gelbe Frucht
Die Vielfalt der Gattung Musa reicht weit über unsere Vorstellung von der klassischen Dessertbanane hinaus. Manche Arten werden wegen ihrer außergewöhnlichen Blüten oder gefärbten Früchte als Zierpflanzen kultiviert. Andere liefern wertvolle Pflanzenfasern, und wieder andere stammen aus kühleren Höhenlagen und sind erstaunlich robust.
So wird beispielsweise Musa textilis, die Abacá- oder Manilahanf-Banane, traditionell als Faserpflanze genutzt. Arten wie Musa velutina oder Musa ornata fallen dagegen durch ihre dekorativen Blüten und Früchte auf. Musa sikkimensis und andere Bananen aus höheren Lagen zeigen wiederum, dass nicht jede Banane ausschließlich tropische Hitze gewohnt ist.
Eine Kulturpflanze mit vielen Gesichtern
Bananen gehören in zahlreichen Regionen der Tropen zu den bedeutenden Kulturpflanzen. Je nach Art und Tradition werden nicht nur die Früchte genutzt: Blätter dienen zum Einwickeln und Garen von Speisen, Blüten werden als Gemüse zubereitet und aus den Scheinstämmen verschiedener Arten lassen sich Fasern gewinnen.
Bananensamen eröffnen damit einen Blick auf die enorme botanische und kulturelle Vielfalt hinter einer Pflanze, die uns im Alltag erstaunlich selbstverständlich erscheint. Aus einer einzigen bekannten Frucht wird plötzlich eine ganze Welt unterschiedlicher Musa-Arten.